Hirnspuk

Schottland – Tag 16 – Edinburgh Royal Mile

An unserem ersten Tag ohne Auto fahren wir zunächst mit dem Bus zur Princess Street, um von dort zur Royal Mile zu laufen. Der Bus, den wir ursprünglich nehmen wollten, ist frecherweise 2 Minuten zu früh abgefahren, so ist unser Zeitplan etwas knapp. Denn zu Beginn wollen wir eine Stadtführung machen, die wir vorab gebucht haben. So haben wir das wichtigste schon einmal gesehen und können anschließend alles nochmal im Detail erkunden. Wir müssen jedoch schnell feststellen, dass – wie uns unser Guide später sagt – Edinburgh auf 7 Hügeln gebaut ist (irgendwie scheint das jede größere Stadt zu sein?) und wir kommen ganz gut ins Hecheln.

Leider täuschen wir uns in der Adresse des Startpunktes, so geht es im Stechschritt die Straße weiter herunter und wir kommen exakt rechtzeitig – gut, der Anbieter wartet noch ein paar weitere Minuten auf Nachzügler, aber Hauptsache wir haben es geschafft.

Wir haben eine 2-stündige „Free“-Tour gebucht. Wie wir merken, bieten das mehrere Anbieter an und verdienen durch den hohen Zulauf mit den „Tips“, die sie bekommen, teils wohl mehr als hätten sie den Rundgang verkauft. Unsere Gruppe wird auf Grund der hohen Teilnehmerzahl auf zwei Guides aufgeteilt, so sind wir immerhin nur gute 15 Teilnehmer in unserer Gruppe.

Dann geht es los, leider ist es auf der Royal Mile teils verdammt voll und wegen der vielen verschiedenen Führungen, die hier an den selben Stellen halten, auch verdammt laut. So ist unser etwas leiserer Guide teils nur schwer zu verstehen.

Unsere Route beinhaltet:

  • Market Cross – hier wurden früher wichtige Nachrichten verkündet, die 2-3 Tage von London hierher brauchten
  • Altes Parlamentsgebäude
  • St. Giles Cathedral
  • ein Herz auf dem Boden vor der Cathedral auf das viele spucken – warum das so ist, weiß keiner so genau, hier sollte man aber schauen, wo man hintritt
  • Lady Stair Close – Closes sind kleine Gänge, die zu den Hinterhöfen von Gebäuden führen, und die früher zum Erreichen der Wohneingänge der teils 15-stöckigen Gebäude genutzt wurden (vorne waren nur Eingänge zu Läden u.ä.). Des Weiteren wurden diese auch zur Entsorgung von Fäkalien genutzt (Nachttopf & Co.), daher sind sie immer abschüssig angelegt – na, da freut man sich doch
  • Castle, vor der gerade ein riesiges Gerüst errichtet wird, das in jedem Sommer hier als Tribüne für das „Military Tattoo“ (Marschkapellen-Auftritte) aufgebaut wird
  • Victoria-Street – eine sehr schöne Straßen mit bunten Häusern, bei der man sehen kann, dass effektiv auf den Häusern die nächste Straße verläuft
  • Grassmarket, der frühere Vieh- und Futter-Markt
  • Greyfriars Kirkyard, ein alter Friedhof, auf dem sich J.K. Rowling Inspirationen zu einigen Namen in den Harry Potter Büchern geholt hat

Nach den 2 Stunden Rundgang, bei dem ein paar interessante Sachen erzählt wurden – man kann das also mal mitmachen zumal man selbst entscheidet, wieviel Trinkgeld man gibt – besuchen wir die Greyfriars Kirk. Die Kirche ist eher schlicht eingerichtet und hat eine recht interessante Geschichte hinter sich, da sie lange Zeit in zwei Teile geteilt war, da sie einst halb eingebrochen ist, eine provisorische Wand eingezogen und alles repariert wurde, die Wand aber bestehen blieb.

In ganz Edinburgh befinden sich mehrere Adventure Lab Caches, die wir in den nächsten Tagen versuchen abzugrasen, so findet sich passend zum Friedhof hier auch ein Punkt eines Harry Potter Caches, der will natürlich noch beantwortet werden und so suchen wir auch das Grab von „Thomas Riddle“. Außerdem besuchen wir das Grab des berühmten Hundes aus Edinburgh „Bobby“ und entlocken ihm ein paar antworten für einen Mini-Multi-Cache.

Weiter geht es zum Elephant Cafe, ein Café in dem J.K. Rowling gerne geschrieben hat, das jedoch aktuell nicht geöffnet ist, da es abgebrannt ist. In der Nähe versorgt uns ein kleiner Laden dann aber mit Paninis zum Mittagessen.

Wir haben uns vorgenommen, effektiv die Punkte vom Rundgang nochmals anzulaufen – zumindest teilweise, da wir in Ruhe noch Fotos machen wollen. Bei der Menge an Menschen, die hier teils durchgeschleust werden, ist das einfacher, wenn wir unabhängig von einer Führung sind. So geht es wieder zurück zur Victoria Street, dem Grassmarket und dann Hoch auf die Terrassen oberhalb der Victoria Street – fühlt sich schon interessant an, „auf den Dächern“ der Länden zu laufen.

Zurück auf der Royal Mile kommen wir an „The Hub“ vorbei, eine alte Kirche, die nun Eventlocation ist, und schauen uns ein paar Closes an. In einer der Closes hören wir einer kleinen Führung zu, die vorbei kommt, und merken, dass hier richtig schön viele detaillierte historische Fakten geliefert werden – also nicht nur Jahreszahlen, sonder richtige Einblicke, wie die Menschen hier früher gelebt haben. Das ist dann doch etwas anderes und deutlich hochwertiger als die kostenlose Führung. Wir fragen, für welchen Anbieter die Guide arbeitet und erfahren, dass es sich um Edinburg Guided Tours Usher handelt. Unsere Recherche später ergibt, dass es sich um kleine Führungen durch Historiker handelt. Das hat natürlich seinen Preis (£30 p.P.), bei dem was wir gehört haben, lohnt es sich aber sicherlich. Bei uns passt es aber leider nicht in den Zeitplan, zumal die öffentlichen Touren schon recht ausgebucht sind. Die Closes sind übrigens teils eine echte Entspannung vom Trubel auf der Straßen – wir hätten echt nicht gedacht, dass hier so viel los ist – ohne Maske trauen wir uns hier jedenfalls nicht entlang.

Wir nehmen uns noch die Zeit und schauen die St. Giles Cathedral von innen an. Wir betreten eine große Kirchen, die durch ihre vielen Pfeiler schon fast verwinkelt wirkt. Weiter geht es etwas abseits von der Royal Mile, hier ist es wieder etwas ruhiger und entspannter. So kommen wir zu den Scotsmen Steps. Diese Treppe führt in einem Eckgebäude sozusagen von der Unterstadt in die Oberstadt, zumindest kann man nach 104 Stufen Aufstieg wieder die Straße betreten. Das besondere an diesem Treppenhaus ist die Treppe selbst. Diese wurde 2010 zu einem Kunstwerk, bei dem alle Stufen aus einem anderen Marmor bestehen und somit sich deutlich von jeder anderen Stufe unterscheiden.

Oben angekommen treffen wir auf ein größeres Kamera-Team – was auch immer die da filmen –, für uns geht es jedenfalls weiter die Royal Mile entlang in Richtung Holyrood House. Ein Cache verleitet uns zu einem Zwischenstopp im Dunbar’s Close Garden, den wir sonst sicher nicht gesehen hätten. Wir betreten durch eine Einfahrt einen Garten, der in mehreren Parzellen in historischem Stil angelegt wurde. Es ist einer der wenigen nicht zugebauten Innenstadt-Gärten, die sich früher die Reichen der Stadt geleistet haben.

Vom Holyrood House – die Abbey ist aktuell leider geschlossen – geht es zurück über einen Friedhof, um an die nächste passende Bushaltestelle zu kommen, und dann mit platten Füßen zurück zur Unterkunft.

Ein anstrengender, aber schöner Tag geht vorbei und morgen geht es natürlich weiter – unser Füße können es kaum erwarten :)

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