Hirnspuk

Wales Tag 17 – Anglesey – Porth Wen Brickworks

Von Llugwy geht es etwa 20 Minuten weiter zu unserem „Parkplatz“ bei den Porth Wen Brickworks. Parken ist hier nur am Straßenrand möglich (und das auch nur sehr knapp). Beim ersten Versuch habe ich kurz das Gefühl, das Auto könnte gleich umkippen (und eines der Hinterräder hängt wohl in der Luft), so schräg ist die Stelle. Also setzen wir lieber noch einmal um und suchen uns eine etwas weniger geneigte Parkmöglichkeit. Dann laufen wir los Richtung Porth Wen Brickworks. Der Weg führt recht steil hinunter zum Meer, bis wir schließlich die große Industrie-Ruine erreichen.

Die alte viktorianische Ziegelei ist erstaunlich gut erhalten und das Erkunden macht wirklich Spaß. Überall gibt es etwas zu entdecken. Wir finden unter anderem ein Boilerhaus mit noch drei erhaltenen Kesseln und den dazugehörigen Öfen darunter. Außerdem stehen hier noch drei große Brennöfen (Kilns). Besonders interessant ist auch der Boden des ehemaligen Trockenhauses: Dieser wurde tatsächlich auf kleinen Säulen aus jeweils nur wenigen Ziegelsteinen errichtet und scheint dadurch fast zu „schweben“ – das erinnert uns stark an die römischen Fußbodenheizungen, die wir kennen.

An anderen Stellen entdecken wir das Schwungrad einer ehemaligen Dampfmaschine sowie die Reste eines Krans. Dazu kommen ein Kai, verschiedene Schächte, Kamine und weitere Gebäudereste – darunter wohl auch das ehemalige Lager für die fertigen Ziegelsteine. Am Kai setzen wir uns schließlich mit unserem mitgebrachten Essen hin und beobachten fasziniert, wie zwei Besucher hier tatsächlich im Meer baden gehen.

Anschließend machen wir uns langsam auf den Rückweg. Dabei nehme ich den schweren Weg, denn ich möchte unbedingt noch Maschinenreste auf der obersten Ebene des Gebäudes am Hang genauer anschauen. Praktischerweise gibt es hier am Rand der Mauern kleine „Treppen“ über die ich die zwei Stockwerke hinaufklettern kann. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei den Maschinenresten um Teile eines Steinspalters. Hier oben wurden früher große Quarzitsteine gespalten. Das Material wurde anschließend über Schächte in die darunter liegenden Ebenen geleitet und dort immer weiter zerkleinert, bis schließlich unten nur noch feiner Staub ankam. Dieser wurde dann mit Kalkstein und Wasser zu einer Paste verarbeitet, die in Formen gepresst wurde, um die Ziegel herzustellen. Nach dem Trocknen wurden diese schließlich gebrannt. Produziert wurden hier hitzebeständige Spezialziegel, die später zum Auskleiden von Stahlöfen verwendet wurden. Das Material wurde wohl ursprünglich aus einer höher gelegenen Mine per Schienenbahn angeliefert, während die fertigen Produkte anschließend über den kleinen Hafen per Schiff abtransportiert wurden.

Nach insgesamt etwa 2¼ Stunden erreichen wir schließlich wieder das Auto.
Die Infos zur Anlage haben wir übrigens später im Internet recherchiert und mit unseren eigenen Interpretationen abgeglichen. Vor Ort gibt es keine Hinweisschilder.

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