Von unserem kurzen Zwischenstopp bei der Flint Castle geht es eine gute Stunde weiter Richtung Osten zur Quarry Bank. Dort angekommen essen wir erst einmal am Auto zu Mittag – schließlich müssen die restlichen Vorräte auch noch verbraucht werden.
Danach geht es auf das Gelände. Quarry Bank ist ein riesiger Industriekomplex rund um eine ehemalige Baumwollspinnerei und -weberei. Dazu gehören unter anderem die große mehrstöckige Fabrik mit Wasserrad und Dampfmaschine, ein Herrenhaus mit Garten und Wald, ein ganzes Dorf für die Angestellten sowie ein eigenes Apprentice House für die Kinder und Jugendlichen, die hier arbeiteten.
Wir schauen uns zunächst einmal grob auf dem Gelände um und nehmen dann an einer Führung durch das Apprentice House teil. Dort erfahren wir viel über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kinder, die hier arbeiteten. Viele kamen aus Armenhäusern bzw. sogenannten Workhouses, Waisenhäusern oder sehr armen Familien. Bereits Kinder unter 10 Jahren mussten lediglich einen Gesundheitstest bestehen, um hier zu arbeiten (teils mehr oder weniger unfreiwillig).
Der Alltag war hart: Aufstehen gegen 5:30 Uhr, Arbeitsbeginn um 6 Uhr morgens, zwei kurze Pausen für Frühstück und Mittagessen und anschließend Arbeit bis etwa 19 Uhr – also rund 12 Stunden täglich. Danach standen oft noch Garten- oder Hausarbeiten an, manchmal sogar Unterricht.
Der Fabrikbesitzer stellte Nahrung, Kleidung, Schlafplätze, medizinische Versorgung und eine gewisse „Ausbildung“. Die Verträge liefen meist bis zum 21. Lebensjahr, danach bestand die Chance, übernommen zu werden. Männer konnten innerhalb der Fabrik teilweise aufsteigen, beispielsweise zu Maschinenführern. Für Frauen waren die Möglichkeiten deutlich begrenzter, meist maximal bis zur Aufseherin. Insgesamt arbeiteten hier mehr Frauen als Männer und auch mehr Kinder als Erwachsene. Besonders Mädchen galten als beliebt, weil sie als „braver“ angesehen wurden.
Trotz der extrem harten Bedingungen war das Leben hier für viele Kinder wohl immer noch besser als die Alternativen, die sie sonst gehabt hätten. Einige blieben sogar ihr ganzes Leben hier – wobei viele Arbeiter aufgrund der Bedingungen leider kein besonders hohes Alter erreichten.
Nach der Führung besichtigen wir das Herrenhaus. Dieses wirkt eher schlicht und war ursprünglich eigentlich nur als Sommerhaus gedacht. Da es jedoch deutlich ruhiger und angenehmer war als das eigentliche Haus der Familie in der Innenstadt von Manchester, wurde es schnell zum Hauptwohnsitz und später erweitert – unter anderem auch, weil die Familie insgesamt 13 Kinder hatte. Heute wurde das Gebäude wieder auf seine ursprüngliche Größe zurückgebaut. Besonders schön ist der Blick aus dem Haus in die umliegenden Gärten.
Anschließend besuchen wir die eigentliche Fabrik. Dort gibt es unglaublich viel zu sehen. Teile der Maschinen werden sogar heute noch genutzt, um Produkte für den Verkauf im NT-Shop herzustellen. Vieles wird vorgeführt und erklärt, und da wir teilweise die einzigen Besucher in manchen Räumen sind und uns offensichtlich interessiert zeigen, nehmen sich die Mitarbeiter besonders viel Zeit für uns – wirklich schön.
Dabei wird auch deutlich, wie hart die Arbeitsbedingungen hier früher gewesen sein müssen. Die Maschinen sind extrem laut, überall lag feiner Baumwollstaub in der Luft und viele Arbeiter wurden mit der Zeit schwerhörig oder bekamen gesundheitliche Probleme. Besonders gefährlich war außerdem, dass Reparaturen, Reinigungen und Korrekturen oft während des laufenden Betriebs durchgeführt werden mussten.
Erst zur Schließzeit verlassen wir die Fabrik. Dadurch schaffen wir es leider nicht mehr, die Gärten ausführlich anzuschauen. Stattdessen laufen wir noch durch das angrenzende Dorf, in dem viele der ehemaligen Arbeiterhäuser heute noch bewohnt sind. Nebenbei erledigen wir noch einen Geocache sowie einige Stationen eines Adventure-Lab-Caches.
Nach insgesamt guten 4 Stunden geht es schließlich zurück zum Auto und weiter zu unserem heutigen Hotel, dem „Premier Inn Manchester Airport (Heald Green)“, das wir nach etwa 10 Minuten erreichen.
Wir checken ein, beziehen unser Zimmer und gehen direkt wieder hinunter ins Restaurant, da wir einen Meal Deal gebucht haben. Danach packen wir bereits unseren Koffer für den morgigen Rückflug, bloggen noch etwas, lesen und gehen schließlich schlafen. Morgen müssen wir früh raus, denn wir wollen bereits um 7 Uhr frühstücken.

















































